Venedig: Vini da Gigio

Vini da Gigio

Gefühlt 30 Jahre geh ich da schon hin… Nachgerechnet, nicht nur gefühlt…

Eigentlich ein Laden für Amerikaner und Weinversteher, ist die Weinkarte absolut spannend und extrem ausführlich. Das ist der Hauptgrund, warum es mich immer wieder dahin zieht. Dass das Essen dazu auch noch äußerst empfehlenswert ist, lässt über die Tatsache der wichtigen Gäste und die der ebenso selbstverliebten, allwissenden Gastgeber getrost hinwegsehen. Anscheinend ist der Orange/Naturwein/PetNat nun vollends in Italien angekommen, denn jedes Restaurant, jede Weinbar in Venedig, die etwas auf sich hält, hat die üblichen Verdächtigen aus dem Karst, Slowenien oder klassische italienische Naturweinvertreter auf der Karte. So nun auch hier, dennoch gibt’s viel Interessantes zu entdecken. Der erste Wein, ein Blanc de Morgex aus dem Aostatal hat schon sieben Jahre auf dem Buckel und wird grad schön… Hier gesellen sich nun animierende Noten von geröstetem Kaffee mit angenehmer Oxidation von gereiftem Champagner zu steiniger Salzigkeit. Sehr cool übrigens beim letzten Besuch, wenn der Kellner aus dem Restaurant rausgeht, auf der Gasse eine Luke im Boden öffnet, mit einer Leiter hinuntersteigt und den gewünschten Wein direkt aus dem Keller (wahrscheinlich unter Wasserniveau, siehe zweite Flasche) holt. Dieser zweite, ein Cuvée aus dem Friaul hat mich allein schon wegen des Alters (Jahrgang 2006) gereizt. Es hätte auch noch den 2003er gegeben, doch da hab ich mich nicht getraut, war es doch ein sehr spezielles Jahr… Aber auch der 2006 hat sich super präsentiert. Ja, reif. Aber noch voll da, rund, saftig, salzig, lang, ein perfekter Allround-Essensbegleiter.

Ach ja, das Essen! War wieder sehr gut, angefangen mit einer gemischten Cichetti/Vorspeisenplatte, alles super frisch, Sarde in Saor, Zucchiniblüte gefüllt mit Baccala, übergrillte Muscheln, die selbst einem Nicht-Muschel-Fan wie mir gemundet haben und eine Fisch-Parmigiana, Garnelen, Jakobsmuschel. Besondere Erwähnung, vor allem, wer die lieblosen Pannini hier kennt, verdient das Brot, sowie die Taralli, die kleinen Kringel, frisch gebacken-buttrig, man hätte sich bereits davon sattessen können. Spaghetti Carbonara mit Thunfisch statt Speck waren wunderbar schlotzig und haben durch den hervorragenden Fisch besonders gewonnen. Gedünsteter St. Pierre kam mit Gemüse und Dill in ebenso hervorstechender Qualität auf den Tisch. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, viele Jahre nach meinem letzten Besuch wieder die Fegato alla Veneziana zu bestellen, die immer eine Bank war. Doch dann hat mich der gegrillte Aal angelacht, ich habe es nicht bereut. Super knusprige Haut mit zart schmelzendem Fett darunter, die andere Seite wunderbar gebräunt mit feinem Eigenaroma. Die Dessertklassiker ließen ebenfalls keinen Grund zur Beanstandung aufkommen. So müssen wir wohl das nächste Mal wieder kommen, allein schon der Weine und des Essens wegen und müssen die anderen Gäste und Gastgeber einfach ausblenden oder uns wie dieses Mal darüber amüsieren… Immer wieder ein Tipp, und das konstant nach so vielen Jahren.

Vini da Gigio

Sestiere Cannaregio 3628A

30121 Venedig

http://www.vinidagigio.com

Venedig: Ristorante La Bitta

Venedig – Ristorante La Bitta

Venedig ohne Fisch? Ja! Geht auch! Und zwar sehr gut. Um alle Touristen vorzuwarnen, steht bereit auf der Visitenkarte deutlich ‚No Fish‘.

Macht aber nix. Hier stehen Frische der Produkte und Zubereitung im Vordergrund, was sich bis zur Panna Cotta durchzieht. Sie strotz nur so vor frischen Sahne-/Milcharomen, deutlich zurückgenommene Vanille untermalt wunderbar und Dank der Textur schlotzigen zerfließt das Dessert fast schon auf dem Löffel, aber eben nur fast.

Sonst natürlich klassische Primi, exzellente Tagliatelle mit tief-aromatisch-eingekochtem Kalbsragout mit deutlicher Würze. Eine Sensation auch die fluffigen Gnocchi mit Kürbis, einerseits  weich-cremige Sauce, anderseits kleine Würfelchen mit Biss. Darüber gehobelt geräucherter Ricotta, der beim Schmelzen über den warmen Gnocchi seinen fein-rauchigen Duft verströmt. (Bild leider verwackelt). Carpacchio vom geräucherten Rinderschinken schmilzt ebenso am Gaumen. Wenns schon keinen Fisch gibt, darf der venezianische Klassiker natürlich nicht fehlen: Fegato alla veneziana. Die Leber in feine Scheiben geschnitten und kurz angebraten, zart mit minimalem Biss. Dazu die üppige Zwiebel-Olivenöl-Sauce, die durch die süßen Tropea-Zwiebeln diese wunderbar cremige Harmonie erzeugt. Frische, helle Polenta, wiederum nicht blass sondern auch beherzt gewürzt ergänzt hier hervorragend. Kleine, individuelle Weinkarte mit echt fairen Preisen macht das Vergnügen komplett.

Etwas versteckt gelegen in einer Seitengasse des Campo San Barnaba am Rande des Studentenviertels macht dieses Juwel nicht so touristisch, obwohl es natürlich auch in den einschlägigen ‚Geheimtippführern‘ steht, wie z.B. dem Slowfood-Führer Osterie d’Itala.

Ristorante La Bitta

C. Lunga S. Barnaba, 2753/A

30123 Venezia VE

https://de-de.facebook.com/LaBittaVenezia/

Venedig: Osteria Mocenigo

Klar, dieses Restaurant ist touristisch. Doch was erwartet Ihr in einer Stadt, durch die jährlich unzählige Menschen geschleust werden? Dennoch komme ich hier seit über 30 Jahren (oh Gott, schon so lange?) regelmäßig her und habe schon so ziemlich jeden abgelegenen Winkel und jeder Jahreszeit (am schönsten war kurz vor Weihnachten mit Schneefall) ausprobiert. Natürlich gibt es in Randgebieten noch die typischen Fischerkneipen für Einheimische, aber selbst die sind seit vielen Jahren zu DEN tollen Geheimtipps in einer Vielzahl an Reiseführern verkommen. Nichtsdestotrotz habe ich immer sehr gute Restaurants mit tollen Produkten aus der Lagune oder auch weiter her gefunden, allem Voran natürlich Fisch und Gemüse.

So zeigt es sich auch hier, einem Restaurant, grob zwischen Bahnhof und Rialtobrücke gelegen nahe der Vaporetto-Station St. Stae. Dennoch abseits der Ströme und Abends sehr ruhig gelegen, begrüßt uns ein professioneller, etwas hyperaktiver aber sehr zuvorkommender Patron mit roter Brille auf der Stirn, immer an seiner Maske nestelnd. Die Preise erstaunlich zivil, sind wir gespannt und werden bereits beim ersten Gang extrem positiv überrascht. Das frisch geschnittene Thunfischtartar ist nur dezent mit Sesam gewürzt und schmilzt mit frischem Olivenöl und feiner Süße wunderbar am Gaumen. Die Lasagne schmeckt, wie man es sich wünscht, ewig eingekochte Soße, mürbes Ragù, frische Nudelblätter. Auch die hervorragenden Tagliatelle gewinnen durch würzige Calamaristreifen mit feinem Biss, der kaum merklich fester ist als der der al-dente-Nudeln. Die Wucht: Der frisch gegrillte Wolfsbarsch erinnert mit seiner knusprigen Haut an Fische vom Holzkohlegrill direkt am Strand irgendwo in mediterranen Gefilden. Sensationell aber: Sepia in eigener Tinte: In extrem dichter, aromatischer Soße ein Berg an wunderbar cremigen Sepiastreifen tief in der Aromatik, authentisch, wieder auf der Zunge schmelzend und doch nicht aufdringlich.

Ok, dies ist kein High-End-Restaurant, aber ganz ehrlich: Für Preise zwischen 12 und 20 Euro bei Primo und Secondo ist eine derart herausragende Produktqualität in einfacher, ungekünstelter Ausführung auf jeden Fall einen Tipp wert. Kleine Weinkarte, bekannte Regionen, eher unbekannte Erzeuger, ebenfalls sehr faire Preise.

Osteria Mocenigo

Salizada St. Stae 1919

30135 Venedig